Code+Design – Die Programmier-Pros von Morgen tüfteln im WERK1

Coder+Design Teaser

Vier Tage lang an eigenen spannenden Hard- und Software-Projekten arbeiten, sich in einer gleichaltrigen Interessengemeinschaft austauschen und dabei von professionellen Coaches neue Technologien gezeigt bekommen – so lautet das Programm von Code+Design, einem Workshop, der seit rund zwei Jahren durch ganz Deutschland tourt und sich an Jugendliche richtet. Zum zweiten Mal war das WERK1 Gastgeber und bot damit vom 30.8. bis 2.9. rund 30 angehenden Programmier-Pros ein inspirierendes Umfeld um sich auszuprobieren.

Was ist Code+Design?

Veranstaltet werden die deutschlandweiten Programmier-Camps für Berufseinsteiger von der gemeinnützigen Code+Design Initiative e.V.. „Unser Ziel ist es, mehr junge Menschen für digitale Technologien zu begeistern und über die verschiedenen Berufsbilder zu informieren“, erklärt Anna Brückner, eine der Coaches, die die Teilnehmer im WERK1 unterstütz haben. Drei sein können Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren. Welchen Wissensstand sie in puncto Coding und Co. haben, spiele dabei keine Rolle, sagt der Coach – sowohl Fortgeschrittene, als auch blutige Anfänger sind bei den Worshops in Städten wie Hamburg, Frankfurth, München und Co. willkommen. „Es geht darum, dass sich Jugendliche, die ein grundsätzliches Interesse an der Sache haben, ausprobieren können. Die Basics in Sachen Programmiersprache zum Beispiel, lernen die, die es noch nicht können, dann ganz beiläufig.“

Erfahrungen aus dem Berufsalltag mitnehmen

Das Camp im WERK1 fand wie für Code+Design üblich im „Hackathon-Format“ statt. Heißt: Am Anfang stellen die Teilnehmer, die schon eine Projektidee haben, diese vor. Dann schließen sich Teams zusammen, die an den verschiedenen Ideen in Projektgruppen arbeiten – rein nach Interesse. Bis zur Abschlusspräsentation am letzten Tag entwickeln die Gruppen Konzepte, einige sogar erste Prototypen. In Unterstützung der Coaches, die alle auf Berufserfahrung in dem Business zurückgreifen und den Teilnehmern aus den eigenen Erfahrungen im Job berichten können. Wie Anna Brückner: „Der Nerd, der sich mit seinen Games im Keller einschließt und Pizza isst, das ist ein absolutes Vorurteil. Wenn man im Bereich Coding und IT-Entwicklung arbeitet, muss man kreativ sein. Es wird viel im Team gearbeitet und man muss Sozialkompetenz mitbringen. All das erleben die Jugendlichen in unseren Workshops.“

Die Projekte – von Games bis hin zu Apps für den eigenen Alltag

Aber wie sehen die Projekte aus, die sich die Teilnehmer in einem solchen Camp zum Ziel setzen?

„Das Thema Gaming kommt natürlich oft vor, also eigene Spiele entwickeln“, erläutert Coach Anna Brückner. „Oder es geht um ganz alltagsnahe Probleme, auf die die Jugendlichen stoßen. Ein Mädchen hat zum Beispiel mal den Blindenstock ihrer Freundin mitgebracht. Und die Idee, man könne an ihm eine Art Sensor und GPS integrieren, die ihr die Orientierung leichter machen. Einer der Teilnehmer hat zum Beispiel mal ein Programm für das Sekretariat seiner Schule entwickelt – das ist soweit ich weiß heute in Gebrauch – mit dem kann die Schule die Kurswahl der Schüler per Algorithmus fair auslosen.“ Wieder andere, darunter auch die Teilnehmer in München, entwickeln Apps, die einem die Wartezeit auf Bus, Arzttermin und Co. sinnvoll gestalten – mit kurzen Lektion und Übungen aus Bereichen wie Fremdsprache, Politik, Biologie etc. Ein anderer Münchner Teilnehmer ist schon lange genervt davon, dass auf Partys ständig streit entsteht, weil nicht allen die Musik gefällt. Seine Idee: ein Programm, das zum Beispiel alle Spotify-Accounts der Partygäste matcht, und dann nur die Titel spielt, die auf möglichst vielen davon vertreten sind.

Konkurrenz: no! – Teamwork: yes!

An den Dingen arbeiten, die einen im Alltag selber beschäftigen. Und daran immer wieder kleine Erfolgserlebnisse haben – das sei der Grund, warum die Jugendlichen so begeistert bei der Sache sind, sagt Betreuerin Anna Brückner. „Deswegen haben wir auch viele Wiederholungstäter. Wer mitmacht, ist wirklich super motiviert. Das sieht man auch daran, dass einige der Kids morgens schon viel früher da sind, als wir überhaupt loslegen. Und abends auch noch länger bleiben, um in den Gruppen weiter an ihrer Sache zu arbeiten.“ Konkurrenzdenken spiele hingegen keine Rolle, sagt der Coach. „Im Gegenteil, alle geben sich gegenseitig Input und tauschen Lösungsideen aus. Kein Projekt wird höher gewartet, als das andere, egal ob es jetzt um ein Game geht oder eine App mit einem sozialen Hintergrund.“

Was sagen die Teilnehmer?

Das nennt man dann wohl „Blut geleckt“. Jonathan kann das nur unterschreiben. Der 17-jährige Gymnasiast hat mit seinem Schulkollegen schon zum zweiten Mal bei Code+Design teilgenommen. „Programmieren ist leider ein Hobby, das nicht sehr verbreitet ist. Darum ist es super hier mit viele Leuten in unserem Alter zusammenzukommen und mit ihnen gemeinsam zu überlegen, wie man seine Ideen weiterbringen kann. Dabei lernt man auch echt viel, was man im Studium oder in der Ausbildung brauchen kann.“

Der Mädchenanteil wächst

Als gemeinnützige Initiative sind die Initiatoren der Code+Design natürlich auf etwaige Unterstützer angewiesen. Das WERK1 stellte deswegen die Location frei zur Verfügung.

Fünf Mädchen waren unter den knapp 30 Münchner Teilnehmern. Oft sei das Verhältnis von männlichen und weiblichen Interessierten aber 50/50, minimal sei ein Mädchen-Anteil von 25 Prozent, berichtet Anna Brückner. Es finden also auch immer mehr junge Frauen den Weg in das Berufsfeld. Sicher auch ein Verdienst der Code+Design Initiative e.V., die mit den viertägigen Camps wie bei uns im WERK1 dafür sorgt, dass jungen Menschen mit solche einem Interessengebiet der Weg ins Berufsleben geebnet wird.