Virtonomy revolutioniert klinische Versuche durch den Einsatz virtueller Patienten

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Das WERK1 Startup Virtonomy hat es sich zur Aufgabe gemacht, klinische Studien mit einem virtuellen Patienten künftig datengetrieben durchzuführen. Keine ethisch fragwürdigen Tierversuche mehr, keine Versuche am Menschen. Das ist das Ziel des Health Startups. Im Interview erzählt uns Co-Founder und CEO Dr. Simon J. Sonntag, wie Virtonomy klinische Studien revolutioniert. Außerdem können wir gratulieren: Das WERK1-Startup hat seine siebenstellige Seed-Fundraisingrunde erfolgreich abgeschlossen.

Zufälle und Glücksgriffe ebnen den Weg für des MedTech Startup Virtonomy

2019 gegründet, hat das WERK1-Startup Virtonomy mittlerweile über 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und will weiter wachsen. Aber wie kam es überhaupt zur Idee und zum Gründerteam?

Wie aus einem Forscher ein Vollblutgründer wurde

Nach seinem Studium der angewandten Mathematik mit dem Schwerpunkt Medizintechnik schlug Simon den Weg der Forschung im Bereich computergestützte Simulationen und medizinische Bildverarbeitung ein. Nach seiner Promotion stieg er in ein Spin-Off des Forschungsbereiches ein und konnte dort erste Erfahrungen in Bezug auf Gründungen sammeln. Simon leckte Unternehmertum-Blut und wollte mehr. Er wollte etwas eigenes aufbauen und erkannte das Potential, Simulationen zu nutzen, um die Zulassungsprozesse für Medizintechnik zu unterstützen. 

Von der Idee zum Startup 

Zufällig lernte Simon durch sein Netzwerk Wen-Yang Chu kennen. Er hatte bereits mehrjährige Berufserfahrung im Bereich Softwareentwicklung und Deep Learning. Mit dem medizintechnischen Hintergrund von Simon ergab sich so ein perfektes Match. Nachdem sie ein paar Monate erfolgreich zusammengearbeitet haben, beschlossen sie, gemeinsam Virtonomy zu gründen. Schon früh akquirierten sie dabei mit ihrem MVP erste Kunden, die bereits in der frühen Phase dafür bezahlten. 

Weitere Zufälle, weitere Mitarbeitende 

Im Dezember 2019 folgte die erste Mitarbeiterin, die auch eher durch Zufall aus dem persönlichen Netzwerk gefunden wurde. Gloria Zörnack startete als Softwareentwicklerin und ist mittlerweile Produktmanagerin. Ein weiterer Glücksfall für das kleine Team war, als sie Scott aus Amerika kennenlernten. Drei Tage später war er bereits CFO und COO von Virtonomy – warum auch Zeit verlieren. 

Virtonomy im Jahr 2020 – Achterbahnfahrt mit Happy End?

Anfang 2020 fokussierte sich das Team vor allem darauf, Investoren zu finden. Sie wollten schnell wachsen, schnell weiterkommen, deshalb schlugen sie den Investoren-Weg ein. Die ersten Monate waren geprägt von vielen Reisen (kann man sich aktuell gar nicht mehr vorstellen, oder?) und einen ersten gewonnenen Frühphasen-Investor (Initiative for Industrial Innovators). 

Und dann kam… Corona. Die Pandemie hat Pitch-Events und das Fundraising quasi unmöglich gemacht. Kein Problem für das junge Team von Virtonomy: Sie haben einfach ihren Fokus verändert. Sie entwickelten ihr Produkt weiter, schrieben Patente und sicherten sich Fördermittel. 

Statt also den Kopf in den Sand zu stecken, haben die Gründer kurzerhand ihre Roadmap angepasst und an anderer Stelle weitergemacht. Agility at its best. 

Virtonomy Virtual Patient

Virtonomy: Ein Startup mit einer Mission und Impact

Der konventionelle Weg im Zulassungsprozess von Medizinprodukten ist: unethische Tierversuche, hochrisikoreiche Humanversuche und sehr teure Experimente. Die Kosten für die Zulassungsschritte sind inzwischen so enorm angestiegen, dass sie zum Teil den Umsatzmarkt überschritten haben. 

Das erschwert die Innovation auf diesem Markt natürlich enorm. Außerdem kann mit den konventionellen Methoden nicht alles getestet werden. Das führt entsprechend zu Produkten, die noch ein bestimmtes Risiko für die Patienten bergen. “Dieser Status Quo ist nicht mehr akzeptabel”, so Simon. 

Virtonomy digitalisiert den Medizinprodukte-Markt

Aber was genau macht Virtonomy jetzt eigentlich? Sie bringen Simulation, eine Technik, die in der Automobilindustrie schon lange angewandt wird, in den Medizinbereich. Statt während der Fahrt am Auto Messungen durchzuführen, werden ein Großteil der Tests am Computer durchgeführt. Das ermöglicht mehr Tests in kürzerer Zeit und mehr Iterationen. Genau diesem Prinzip folgt Virtonomy: Trial and Error muss nicht an Tieren oder Menschen erfolgen, viele klinische Tests lassen sich auch virtuell abbilden.

Der virtuelle Patient 

Ziel von Virtonomy ist es, eine virtuelle Population aufzubauen. Die virtuellen Studien können schon früh in der Entwicklung von Medizinprodukten eingesetzt werden. Durch den datenbasierten Patienten können alle bisherigen Erkenntnisse berücksichtigt und medizintechnische Produkte valide getestet werden. 


Bei Virtonomy handelt es sich um eine browser-basierte SaaS Lösung. Im System kann sich der Tester den virtuellen Patienten entsprechend der Pathologie und der Zielpopulation konfigurieren, sowie statistische Analysen und virtuelle Implantationen durchführen. Hierbei vereint das Team Expertisen aus dem Bereichen der medizinischen Bildverarbeitung, Deep Learning, Simulation, Cloud Computing und Visualisierung. 

May the impact be with you

Das Ziel von Virtonomy ist es, klinische Studien deutlich zu reduzieren und somit Medizinprodukte schneller und kostengünstiger auf den Markt zu bringen. Simon wollte immer etwas machen, was einen Impact hat, sei es gesellschaftlich oder wirtschaftlich. Mit Virtonomy ist den Gründern das mehr als gelungen. Neben der Reduktion von physischen Versuchen können mit Virtonomy die Kosten für Tests deutlich reduziert werden und auch die Risiken für die Patienten werden weiter minimiert. Ein Trend der auch von Zulassungsbehörden weltweit unterstützt wird und somit ein gigantisches Marktpotential birgt.

Diesen Impact wissen auch alle Mitarbeitenden des Teams zu schätzen. Schließlich will gerade die junge Generation an etwas arbeiten, was einen gesellschaftlichen Nutzen hat. 

Investmentrunde erfolgreich abgeschlossen: Virtonomy streicht siebenstelligen Betrag ein

Trotz der Fokus-Verlagerung im Frühjahr 2020 war die Investorensuche weiterhin auf der Agenda des Teams. Auch wenn sich diese aufgrund der Pandemie länger hinzog als erhofft, konnte Virtonomy die Seed-Finanzierungsrunde Ende Februar 2021 erfolgreich mit Dieter von Holtzbrinck Ventures, Bayern Kapital, Initiative for Industrial Innovators und Plug and Play abschließen.

Und was mit dem Geld passiert, ist ebenfalls schon durchdacht. Neben dem Wachstum des Teams strebt Virtonomy den Ausbau der cloudbasierte Softwarelösung an. Neben dem aktuellen Fokus auf das Herz sollen in den nächsten Jahren auch andere Organe berücksichtigt werden und eine Expansion auf weitere Märkte ist ebenfalls geplant. Hierfür sucht Virtonomy nach Verstärkung, bei Interesse gerne direkt mit dem Team in Kontakt treten.

Klingt so, als würde es dem Team nicht langweilig. Wir beglückwünschen es auf jeden Fall zu der erfolgreichen Runde!

Der Impact des WERK1 auf Virtonomy

Neben einem gemütlichen Büro und leckeren Kaffee, ist das Startup besonders für die gigantische Unterstützung des WERK1 dankbar. Bei jeder Nachfrage ist das Startups-Team (großes Lob an Robert und Maike) sofort zur Stelle. Außerdem weiß Simon die Nähe zu BayStartup sehr zu schätzen, welche Virtonomy bei der Finanzierungsrunde mit Rat und Tat sehr intensiv unterstützt hat.

Ein weiterer Pluspunkt des WERK1, so Simon, ist die Community. Der Austausch mit anderen Startups – sowohl zu Health Startups als auch zu Unternehmen, in einer ähnlichen Gründungsphase – ist hilfreich. Leider kann der Community-Gedanke aufgrund von Corona aktuell nicht so ausgelebt werden, wie die Startups und wir, das WERK1, uns das wünschen. Aber wir versuchen unser bestmöglichstes. So z.B. auch mit dem AI Roundtable, den wir (zusammen mit Dan von Testifi) ins Leben gerufen haben.   

Die Sucht des Gründens und wertvolle Tipps

Wie heißt es so schön? Wer einmal Blut leckt will noch mehr. So geht es wohl auch Simon und seinem Co-Founder. Er selbst verrät uns, dass das Gründen äußerst erfüllend ist, super viel Spaß macht und daher eine große Sucht ist. Aber man darf diese Sucht nicht unterschätzen. Schließlich geht mit der Gründung eines Unternehmens auch viel Verantwortung und Stress einher. 

Simon hat außerdem noch ein paar hilfreiche Tipps und Learnings für (künftige) Gründerinnen und Gründer zusammengefasst:

  • Netzwerken, netzwerken, netzwerken: Man kommt nicht vorwärts, wenn man nicht kommuniziert. 
  • Trau dich: Halte dein MVP nicht zu lang zurück, tritt früh an deinen Kunden heran und entwickle dein Produkt mit ihm weiter. 
  • Lass dich nicht so sehr von Fehlschlägen verunsichern.
  • Be flexible: Als Gründer muss man flexibel sein und Pivots machen.
  • Baue ein Team mit einem Mindset auf. 

Lieber Simon, vielen Dank für deine Zeit und die Einblicke in eure Gründergeschichte und euer Startup. Wir sind uns sicher, dass schon bald die ganze Medizinwelt mit Virtonomy arbeitet! Wir drücken euch dafür auf jeden Fall fest die Daumen.